Legasthenie/LRS mit Schwerpunkt Lesen
Wenn Sie gefragt würden, was Ihr Kind besonders gut kann, was würden Sie da sagen?
Die Anworten, die ich da bekomme, ähneln sich alle sehr:
Gut malen, Lego bauen, mit handwerklichem Geschick werken oder basteln. Die Kinder haben meistens eine gute Vorstellungskraft und viel Phantasie. Das sind alles besondere Begabungen, die sie von anderen Kindern eher positiv unterscheiden.

Woran liegt das? Die Thesen, die Ron Davis in seinem Buch „Legasthenie als Talentsignal“ vertritt und die ich aus meiner Arbeit bestätigen kann lauten:


Legastheniker denken hauptsächlich in Bildern und nicht in Worten und dadurch viel schneller und ganzheitlicher als „Wortdenker“.

Legastheniker haben die natürliche Fähigkeit, ihre geistige Wahrnehmungsposition zu verändern. D.h., z.B. beim Lego spielen und bauen, können sich die Kinder genau vorstellen, wie das, was sie bauen wollen, aussehen soll - und zwar 3-dimensional = von allen Seiten.


Legasthenie
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Ein Experiment: Denken in Bildern
Dazu ein kleines Experiment: Schließen Sie die Augen und stellen Sie sich eine Leinwand vor. Auf dieser Leinwand erscheint jetzt von rechts nach links, ein Wort nach dem anderen, der Satz: „Ein Mann steht auf der Leiter und pflückt Äpfel“.
DEMOKNOPF

Ein Mann steht auf der Leiter und pflückt Äpfel
Wie lange dauerte es, sich den Satz auf der Leinwand vorzustellen?

Und nun schließen Sie wieder die Augen und stellen Sie sich die Szene als Bild vor.
DEMOKNOPF
Was ging schneller? Sicherlich das Bild vorstellen. Und wenn Sie noch mal genauer auf Ihr Bild schauen - wieviel mehr Informationen sind darin noch enthalten: Vielleicht haben Sie den Baum gesehen, an dem die Leiter lehnte, vielleicht, was der Mann anhat, was für Wetter ist, usw., usw.

So denken Bilddenker!

Legastheniker, die vorwiegend in Bildern denken, können sich auch in ihren Bildern umher bewegen und Dinge aus verschieden Perspektiven betrachten. Sie tun dies, um möglichst viele Informationen zu erhalten.

In manchen Situationen ist diese Fähigkeit sehr nützlich. Beim Lesen und Schreiben jedoch sehr hinderlich. Denn Buchstaben und Worte geben nur einen Sinn, wenn man sie aus einer ganz bestimmten Perspektive betrachtet. Daher hat die Fähigkeit mit dem inneren Auge aus verschiedenen Perspektiven zu schauen beim lesen und schreiben verschiedene Auswirkungen: z.B. verdreht wahrgenommene Buchstaben und Worte, Worte können nicht als ganze Worte gelesen werden, Worte können nicht richtig gespeichert werden und deswegen auch oft nicht richtig geschrieben werden usw.

Legasthenie 2
Die Lösung: Die Korrektur der Legasthenie

Das Ziel ist hierbei, den Kindern Hilfe zur Selbsthilfe zu geben, d.h. ihnen „Werkzeuge“ vermitteln, mit deren Hilfe sie selbständig ihre Leseschwäche korrigieren können. Dieser Ansatz besteht aus 2 Bausteinen:

Es gibt einen Weg, die Wahrnehmung willentlich so zu beeinflussen, daß Symbole wie Buchstaben „richtig“ wahrgenommen werden und auch „richtig“ gespeichert werden.

Da viele Wörter der deutschen Sprache bildlose Worte sind und somit die bildhafte Gedankenkette unterbrechen und das Kind stocken lassen, weil es verwirrt ist, besteht der weitere Schritt darin, diesen Worten Bilder zuzuordnen. Dies geschieht, z.B. indem für diese „Auslösewörter“ dreidimensionale Knetmodelle hergestellt werden, so daß der Legastheniker nicht mehr in seiner bildhaften Gedankenkette unterbrochen wird.

Legasthenie
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Für nähere Einblicke in diese Denkweise und die Lösung möchte ich Ihnen das Buch von Ron Davis sehr ans Herz legen: „Legasthenie als Talentsignal“ (gibt es auch als Taschenbuch).
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